"Reverse Engineering"

Einleitung

Alle Abbildungen sind per Klick vergrösserbar!

Das zentrale Anliegen der Arbeit mit der Reverse-Engineering-Methode, die ich hier vorstellen möchte, ist es, historische Theorie für den heutigen Praktiker auf eine Weise zugänglich zu machen, welche die improvisatorische Praxis als wesentlichen Verbindungspunkt einbezieht und neue Wege für die aktuelle Hochschullehre eröffnet. 

 


Für Studenten der musiktheoretischen Fächer soll meine Methode andererseits eine praktische methodische Ergänzung darstellen, mit deren Hilfe er sein theoretisches Wissen stärker und kreativer mit der Praxis verbinden kann. 
 

 

Ich möchte an dieser Stelle aufzeigen, wie Reverse Engineering für das Verständnis und die Interpretation historischer Werke dienlich sein kann und die selbstständige, kreative ‚Ent-Wicklung' historischer Werke zugunsten der Wiederbelebung einer aktiven historischen Improvisationspraxis zu fördern vermag. 

 

Die durch die umfassende, intensive und langfristige Arbeit nach der hier vorgestellten Methode des Reverse Engineering entstehenden „(Neben-)Wirkungen“ umfassen u. a.: 

 

• Ausbau der instrumentaltechnischen Fertigkeiten durch die Einübung bestimmter, häufig gebrauchter Formeln (rhythmische und melodische Patterns) 


 

• Steigerung der allgemeine Blattspiel- und Lesefähigkeit durch das Entdecken, Erarbeiten und somit schnellere Erkennen und Umsetzen häufig wiederkehrender Satzmodelle und Satzmuster und ihre Abwandlungen 


 

• Beförderung einer automatischen, da im Rahmen der Arbeit mit ähnlichem Material bereits eingeübten, passenden Fingersatzwahl 


 

• Förderung des eigenständigen und aktiven Umgangs mit musikalischem Material und somit Abweichung von der rein reproduktiven, interpretatorischen Auseinandersetzung mit Musik vergangener Epochen 


 

• Erwerb eines umfassenden Überblicks sowohl über die übergeordnete Struktur als auch über die Einzelelemente einer spezifischen Musiksprache (in meiner Methodik der Musiksprache des Barock), in der das musikalisch Imaginierte und das „Gegriffene“ zusammen gedacht sind und in der der komponierten Musik immer auch eine improvisatorische „Körperlichkeit“ zu eigen ist, die durch die hier vorgestellte Methode besonders bewusst wahrgenommen werden kann.

Ziel der Arbeit mit Reverse Engineering-Methode

Ziel der Anwendung der hier vorgestellten Reverse-Engineering-Methode in der klassischen Musikdidaktik, ist die Förderung einer umfassenden, ganzheitlichen und auf eigenständiger Arbeit basierenden Bildung und Entwicklung des heutigen klassischen Musikers sowie - damit einhergehend - eine aktive auf existierenden, historischen Notentexten basierende Wiederbelebung einer historischen Improvisationspraxis wie sie heute trotz der inzwischen weit verbreiteten Alte-Musik-Studiengänge noch äusserst selten zu finden ist. 

 


Im Fokus des Arbeitsprozesses mittels Reverse Engineering steht sowohl die aktive „Mimesis“ (Reproduktion) als auch die „Metamorphose“ (Innovation) von historischer Musik. 

 


Der durchschnittliche heutige klassische Musiker soll wieder in die Lage versetzt werden, eigene, „frische“ Stücke zu kreieren, die aber von konkreten historischen Vorbildern des „klassischen Lehrkanons“ inspiriert sind. 
Durch die intensive aktiv-kreative Arbeit mit diesen Kompositionen stellt sich zugleich ein tiefes und von persönlicher Erfahrung geprägtes Verständnis für kompositorische Strukturen und Entscheidungen ein, das wichtige Auswirkungen auf die Interpretation historischer Werke hat. Neue interpretatorische Impulse werden entstehen.

Reverse Engineering - was ist das ?

Reverse Engineering (engl.-dt.: „Rückwärts-Entwickeln“), auch kurz Reversing genannt, beschreibt einen Arbeits-Prozess, bei dem ein existierendes Objekt oder System analysiert, in seine einzelnen Bestandteile zerlegt, modellisiert und anschließend wieder neu konstruiert wird. 

Auf diese Weise können Entstehungsprozess und Funktionsweise des betreffenden Objektes / Systems genau nachvollzogen und anschließend Kopien, unterschiedliche Designvarianten oder Weiterentwicklungen des Objektes entworfen und angefertigt werden. 

 


Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Maschinenbau und der Wirtschaftsindustrie, wo Reverse Engineering für das Kopieren, Umdesignen und die Weiterentwicklung bereits existierender Produkte eingesetzt wird.

 


Die Technik des Reverse Engineering wird heute vor allem auch in der Informatik angewandt, wo sie für Code-Analysen, Weiterentwicklungen und das Aufdecken von Sicherheitslücken von Computerprogrammen genutzt wird.


 

Inzwischen wurde der Begriff auch für andere Gebiete und Disziplinen entdeckt. 
So findet er unter anderem in der Philosophie (D. C. Dennett) oder auch in der Kunstforschung Anwendung, beispielsweise bei der Analyse, Echtheitsprüfung und Restauration von Gemälden berühmter Maler.


 

Reverse Engineering als Arbeits-Methode ist also heute auf vielen Gebieten ein wertvoller Helfer - als Weg zum detaillierten Verständnis oder zur Rekonstruktion eines Objektes / Systems, zur Rekonstruktion verlorengegangener Konstruktionspläne oder als Basis zur Weiterentwicklung eines vorhandenen Produktes. 
Reversing wird dabei sowohl zu kommerziellen als auch zu rein wissenschaftlichen oder persönlichen Lernzwecken eingesetzt.

 

Trotz seiner tendenziell zunehmenden Verbreitung und Übertragung auf verschiedene Fachbereiche wurde der Begriff des Reverse Engineering bisher noch nicht explizit auf dem Gebiet der klassischen Musik angewandt.

Dieser Umstand ist angesichts seiner potentiell hohen Relevanz für die Musikpraxis und -lehre erstaunlich.
 Im Gegensatz zum Begriff findet der Prozess des Reverse Engineering - im Sinne einer spezifischen, analytisch-rekonstruktiven Arbeitsweise - doch bereits Anwendung und reicht sicherlich als Lehr- und Lernmethode in der Musikgeschichte weit zurück. 

 

Mein Ziel ist es, Reverse Engineering als festen und bisher im didaktisch-pädagogischen Vokabular fehlenden Terminus für die dreiteilige Arbeitsweise aus Analyse/Dekomposition, Abstraktion/Modellbildung und anschließender aktiver Rekonstruktion/Synthese einer Komposition einzuführen. 

Im Rahmen meiner pädagogischen Tätigkeit möchte ich den Terminus insbesondere für die historische Improvisationsdidaktik einführen und nutzen, in der die Analyse und die anschließende aktive Verwertung der durch die Analyse gesammelten Informationen einer Komposition eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage darstellen.

Abb.1: Panagiotis Linakis

Schema zum Reverse Engineering in der Musik:

Der erste Arbeitsschritt im musikalischen Reverse Engineering-Prozess, die Dekonstruktion und Analyse ist seit langem elementarer Bestandteil der klassischen Musikausbildung.

Bereits seit Jahrhunderten analysieren Künstler wie Theoretiker und Wissenschaftler die meisterhaften Kunstwerke und Kompositionen vergangener Epochen, um ihrem „Geheimnis“ auf die Spur zu kommen.

 


Bei der Analyse klassischer musikalischer Werke wurden nach und nach gewisse Satzmuster offengelegt und benannt, die im Laufe der Musikgeschichte, innerhalb einzelner Epochen oder bestimmter Stilrichtungen in verschiedenen Ausformungen immer wieder zu beobachten sind. 

 


Diese sogenannten musikalischen Satzmodelle erleichtern die analytische sowie praktische Arbeit mit bestimmten Werkausschnitten ungemein durch ihre Fähigkeit, zahlreichen Informationen des betreffenden Notentextes/Ausschnittes stark reduzieren, komprimieren und mit einem einzigen Begriff benennen zu können. 
Komplexe musikalische Sachverhalte können so sprachlich schneller und verständlicher transportiert werden und schaffen eine gemeinsame Kommunikationsbasis, mit deren Hilfe sich leichter über musikalische Strukturen reden lässt.

 

Die Modellbildung ist der zweite Schritt des Reverse Engineering-Prozess und dient als Grundlage für die spätere Rekonstruktion, Weiterentwicklung und Variantenbildung.

 

In der folgenden Abbildung werden die wichtigsten Prozesse der allgemeinen Modellbildung nach Stachowiak in Bezug zur Bildung musikalischer Satzmodelle dargestellt.

Prozesse der allgemeinen Modellbildung:

Abb.2: nach Stachowiak, Herbert: Allgemeine Modelltheorie, Wien: Springer-Verlag 1973

Die Extraktion, Bildung und Lehre von bestimmten Satzmodellen als pädagogisches Hilfsmittel ist kein Phänomen der modernen Musiktheorie und -lehre. 
Bereits im Barock wurde mit Hilfe bestimmter Satz-Modelle unterrichtet und theoretisches Wissen sowie improvisatorisch-kompositorisches Handwerk vermittelt. 
So sind aus dieser Zeit zahlreiche methodisch-modellhafte Übungsstücke überliefert, welche die Schüler sowohl im Blattlesen, ihren Vokal- oder Instrumentalfähigkeiten als auch in Grundlagen der Satztechnik, namentlich des klassischen Kontrapunktes, aber auch der in ihm impliziten Harmonik, schulten. 
Zu diesen Übungen zählen verschiedene Außengerüststimmsätze unter dem Namen Recercare, Solfeggiamenti oder Solfeggi, bei denen der Schüler die fehlende Stimme ergänzen sollte, sowie (meist) unbezifferte Bassverläufe, die als Partimenti bezeichnet und vom Schüler ausgesetzt wurden.

 

Damals wurden bestimmte musikalische Satzmodelle noch nicht explizit benannt, sondern in Form der Notenbeispiele und Übungsstücke gelehrt und eher implizit, z.B. durch die Generalbassbezifferung, gekennzeichnet.

Heute werden diese Satzmodelle zunehmend kategorisiert, benannt und u.a. im historischen Satzlehre- und Improvsiationsunterricht verwendet.

 

Die Aussetzung von Solfeggi und Partimenti oder allgemein von Generalbassstücken, also der Schritt der Rekonstruktion (dritte Phase des Reverse-Engineering), war für barocke Musiker elementare Praxis.

Nahezu jeder ausübende Musiker war in der Lage, musikalisch spontan-improvisatorisch zu agieren.

Für heutige Musiker und Musikstudenten stellen diese Aufgaben teils unüberwindbare Hürden dar. 
Es fehlt an Praxis und satztechnischem Wissen, welches die Aussetzung (Rekonstruktion), aber auch die Reduktion und allgemein das Erkennen satztechnischer Muster (Modellbildung) ermöglicht.

Dieses Wissen muss von Grund auf neu und innovativ angepasst auf die heutige Ausgangssituation und individuelle Bedürfnisse gelehrt werden.

 

Die einzelnen, für den Aufbau improvisatorischer Fertigkeiten notwendigen Bereiche sind in der heutigen Ausbildung bereits vertreten. 
So lernt man Analyse / Dekomposition und Modellbildung in den Fächern Musiktheorie oder Musikwissenschaft, Grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten für das Instrumentalspiel im künstlerischen Hauptfachunterricht und die Rekonstruktion / Re-komposition wird in Fächern wie Komposition oder Generalbassspiel vermittelt.

Jedoch ist die Ausbildung im Vergleich zu früher - sowohl was den zeitlichen als auch den inhaltlich Umfang angeht - weit weniger intensiv und die Trennung der Studiengänge und Fachbereiche tut ihr Übriges.

 

Gerade das Thema musikalische Satzmodelle, welches das enormes Potential besitzt, die Fächer Musiktheorie, Komposition und Instrumentalspiel heute wieder didaktisch in einem Punkt zuzusammenzuführen, hat seinen Platz in der modernen Musikausbildung - zumindest was die deutschen Musikhochschulen angeht - noch nicht gefunden.

 

Es wundert daher auch nicht, dass im didaktischen Repertoire der musikalischen Ausbildung damals wie heute ein Begriff zu fehlen scheint, der den gesamten Vorgang von der musikalischen Analyse über die Schema-/Satzmodellbildung-/extraktion und -benennung bis hin zur anschließenden eigenen Ausprägung der Modelle, der „individuellen Rekomposition“ beschreibt. 

Am ehesten trifft hier bislang wohl der Begriff der „Stilkopie“ aus dem Bereich der Komposition zu, der allerdings das Ergebnis mehr betont als den Prozess oder die Vielfältigkeit der einzelnen Arbeitsschritte, welche zur Nachahmung eines komplexen musikalischen Werkes zwingend notwendig sind.

An genau dieser Stelle kommt der Begriff des Reverse Engineering zum Tragen:

Der pädagogisch äußerst wertvolle und zur eigenständigen Arbeit anregende Dreischritt von Analyse, Modellbildung und eigener Ausformung/Rekonstruktion könnte durch die Verwendung dieses prägnanten englischen Begriffes in der Musikdidaktik erstmals als holistische Einheit artikuliert und somit wesentlich leichter als fester didaktischer Bestandteil in den Unterricht integriert werden.

 

Die bewusste Integrierung und Etablierung dieser Arbeitsweise in die musikalische Ausbildung wäre wiederum ein innovativer und wichtiger Meilenstein auf dem Weg, den Ausbildungsstandard kommender Generationen an Musikern wieder an die heute unerreichbar scheinenden Maßstäbe und Ideale eines barocken Musikers anzunähern.

 

 
Durch die Anwendung der Reverse Engineering-Methode werden Musikstudierende nicht nur in hohem Maße zum eigenständigem Lernen angeregt; sie trainiert und fördert allgemein analytische Fertigkeiten sowie kompositorisches Verständnis und ermöglicht einen kreativen Zugang zur Erarbeitung und Erlernung verschiedenster Kompositions- und Improvisationstechniken. 

Kindlicher Entdeckergeist, eine vielleicht im Rahmen der streng reglementierten Ausbildung immer mehr in den Hintergrund geratene natürliche Experimentiertfreudigkeit sowie die allgemeine Fantasie und Kreativität eines Menschen und Musikers werden durch Reversing stark angeregt.

Die gesamte musikalische Entwicklung wird auf integrative und holistische Art und Weise gefördert.

 

Der Schüler/Student lernt, existierende Kompositionen nicht bloß zu interpretieren, sondern mit deren Hilfe eigenständig zu arbeiten und diese als umfassende Lern- und Inspirationsquelle für sich persönlich zu nutzen - eine Idee, die, so selbstverständlich sie auch so manchem scheinen mag, meiner Erfahunrg nach im Bewusstsein vieler Lehrender, Musikschüler und Studenten inzwischen erstaunlich in den Hintergrund gerückt zu sein scheint.

 

Die Arbeit nach der Reverse-Engineering-Methode ist in der Lage, den musikalischen Horizont auf spielerische und selbstentdeckende Weise enorm zu erweitern.

 

Die innovative Einführung des Begriffes Reverse Engineering in den musikdidaktischen Sprachgebrauch eignet sich nicht nur aufgrund der grossen inhaltlichen Passgenauigkeit und Ausdruckskraft des Begriffes, sondern auch aufgrund der hohen Universalität und globalen Aktualität der englischen Sprache - gerade für den internationalen Gebrauch.

 

Sollte sich diese Bezeichnung in Zukunft in den betreffenden Unterrichtsfächern durchsetzten, könnte die damit bezeichnete Arbeitsweise bewusster und selbstverständlicher als generelle Arbeitsmethode in die klassische Unterrichtsdidaktik und Lehrpläne integriert werden.

 

Es entstände nach meinem Dafürhalten ein enormer Nutzen für die allgemeine musikalische Bildung.
Darüber hinaus wäre eine tatsächliche und andauernde Wiederbelebung des “fehlenden Puzzleteilchens“ der historischen Improvisationspraxis hierdurch im Rahmen des Möglichen, wenn nicht gar zu erwarten.

Generelles zur Anwendung der Rerverse-Engineering-Methode

Ich werde Ihnen gleich anhand eines Beispiels exemplarisch demonstrieren, wie die Reverse-Engineering-Methode konkret angewandt werden kann und welche Übemethoden, Strategien und „Werkzeuge“ (tools) hierbei hilfreich und unterstützend wirken können. 

 


Als wichtiges tool zur Rekonstruktion dient ein von mir zusammengestellter Katalog rhythmischer und melodischer Variationsformeln, mit dessen Hilfe vor allem „Designvarianten“ eines zuvor durch Analyse, Dekonstruktion und Abstraktion herausgearbeiteten Gerüstmodells eines Kompositionsausschnittes hergestellt und trainiert werden können.

 

Reverse Engineering kann an vollständigen Kompositionen durchgeführt werden oder auch nur einzelne Abschnitte und Parameter herausgreifen, welche im Besonderen bearbeitet werden sollen (Harmonik, Rhythmik, Verzierungen etc.).

 

Entscheidend für die Auswahl der Parameter und des Umfanges ist, welche Abschnitte und Merkmale einer Vorlage konkret studiert, nachgeahmt oder für eigene Entwürfe genutzt werden sollen. Auch das individuelle Ausgangs und Arbeitsniveau ist hier maßgeblich.


Je höher das Niveau und je grösser die Erfahrung im Umgang mit der musikalischem Reverse Engineering-Technik ist, desto freier und kreativer kann man mit ihr arbeiten. 

Es kann potentiell zum Grad der Erfahrung und Übung zunehmend von der kompositorischen Vorlage abgewichen und schließlich sogar die gesammelte Erfahrung als Ausgangspunkt für die vollkommen vorlagenunabhängige, freie Improvisation genutzt werden.

Verschiedene bereits erarbeitete Ausschnitte/Elemente und erarbeitete Satzmodelle aus dem „Repertoire“ können dann zu neuen, eigenen Kreationen umgeformt, erweitert und kombiniert werden.

 

Auch die Arbeit in Gruppen ist möglich - z.B. im Rahmen von Gruppenimprovisation auf Basis einer gemeinsam aus realen Kompositionen erarbeiteten Vorlage. 

 

Damit der konkrete und langfristige Nutzen der Arbeit mit Reversing maximiert wird, ist eine schriftliche Notation der Arbeitsschritte, gerade zu Anfang, dringend empfohlen und zielführend.

 


Für diejenigen, die bereits über einen grossen Wissens- und Erfahrungsschatz verfügen, ist auch eine Form des Reverse Engineering „nach Gehör“ - das heisst ohne schriftliche Vorlagen oder Fixierungen, dafür mit auditiver Ausgangsbasis (live-gespielte Audiovorlage oder Tonträger) - denkbar und von besonders hohem pädagogischen Nutzen. 
Gerade im Rahmen von Gehörbildungs- oder historischem Improvisationsunterricht ist es durchaus denkbar, diese geistig anspruchsvollere Variante mit kleinen, überschaubaren musikalischen Sequenzen auch mit weniger erfahrenen Schülern und Studenten durchzuführen. 
Das auditive sowie musikalisch-formale Gedächtnis wird hierbei noch intensiver gefordert und gefördert als beim Reversing mit sichtbarer Notenvorlage.

Ein Modell zum Musikalischen Reverse Engineering könnte folgendermaßen aussehen:

Abb.3: Panagiotis Linakis

Musikalisches Reverse Engineering - Schema zur Verdeutlichung der Korrelation von Komposition und Satzmodell im Rahmen der Technik des Reverse Engineering